Die Winde am Gardasee: Ora, Pelér und wann sie wehen

Zahlreiche Windsurfer mit bunten Segeln auf dem Gardasee vor Torbole, im Hintergrund die steilen bewaldeten Felswände des Nordufers
Windsurfer vor Torbole. Der nördliche Seeabschnitt gilt als das zuverlässigste Windrevier des Gardasees. Foto: Benreis, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Der Gardasee hat einen Fahrplan, an den sich der Wind hält: In der zweiten Nachthälfte kommt der Pelér von Norden, ab der Mittagszeit dreht es auf die Ora aus Süden. Wer das kennt, plant seinen Tag danach – ob auf dem Brett, unter Segeln oder einfach mit dem Sonnenschirm.

Die zwei Hauptwinde im Überblick

Pelér (auch Vento, Sover)Ora (Ora del Garda)
RichtungNordwind, von Nord nach SüdSüdwind, von Süd nach Nord
Wannzweite Nachthälfte bis Vormittagetwa ab Mittag bis zum späten Nachmittag
Stärke4–5 Beaufort, an guten Tagen über 25 Knoten (6–7 Beaufort)meist 4–5 Beaufort, entspricht rund 15–20 Knoten
Wo am stärkstenNord- und Mittelteil des Seesan der Engstelle bei Riva del Garda, wo der Ponale einmündet
ZuverlässigJuni bis SeptemberFrühjahr bis Herbst
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Windstärken sind am Gardasee Tagesform: Die Werte in der Tabelle beschreiben, was an einem normalen Sommertag zu erwarten ist. An ruhigen Tagen bleibt es darunter, bei kräftigem Nordwind liegt der Pelér darüber.

Warum der Wind hier nach Uhrzeit weht

Dahinter steckt ein klassisches Berg-Tal-Windsystem, und es ist ein reines Temperaturphänomen.

Tagsüber heizt die Sonne die Bergflanken auf. Die erwärmte Luft steigt an der Alpensüdseite auf, und in die entstehende Lücke strömt die kühlere Luft nach, die über dem See liegt. Sie zieht von Süden nach Norden – das ist die Ora.

Nachts kehrt sich das um. Die Luft über den Bergen kühlt schneller ab als die über dem Wasser, fällt schwer die Täler hinunter und strömt nach Süden. Das ist der Pelér.

Der See selbst wirkt dabei als Wärmespeicher und verstärkt den Tagesgang. Dazu kommt die Form des Tals: Am Nordende ist der See schmal und von Steilwänden eingefasst. Die Luft muss sich durch diese Enge zwängen und wird dabei schneller – ein Düseneffekt, den Fachleute als orografischen Venturi-Effekt bezeichnen. Deshalb bläst die Ora bei Riva und Torbole am kräftigsten. Was den Norden sonst vom Süden des Sees unterscheidet, haben wir gesondert aufgeschrieben.

Die weiteren benannten Winde

Am Gardasee hat fast jeder Wind einen eigenen Namen – ein Hinweis darauf, wie genau die Menschen hier seit jeher hinschauen mussten.

NameRichtung und ZeitWo
Ander (Andro)Südwest, kurz vor Mittag bis später Nachmittag, hält oft zwei bis drei TageSüdufer: Rivoltella, Padenghe, bis Torri del Benaco
PonaleWest bis Westnordwest, nachmittags bis nachts, 4–6 BeaufortNordsee, Ostufer Torbole–Tempesta; kommt aus dem Ledrotal
Balì (Balin)Nord bis Nordwest, setzt plötzlich aus ruhiger Lage ein, 5–8 BeaufortRiva del Garda und die östlichen Steilküsten
VinessaOst bis Ostsüdost, tagsüber, 4–7 Beaufortsüdlicher See
MontisOstnordost vom Monte Baldo, in den wärmsten Stunden, leichtBardolino Richtung Peschiera
Vént dé TépSüdwest nach Nordost, sommertags, kurz – bis 10 Beaufortgesamter See

Über den Ponale gibt es einen Merksatz im örtlichen Dialekt, den gardasee.surf überliefert: „El vent de Ponal no ‚l porta altro che mal“ – der Ponale bringt nichts als Unheil. Als gefährlich gelten außerdem Balì, Vént dé Tép und Vinessa.

Der Balì fällt als Kaltluft aus dem Trentino ein und tritt vor allem außerhalb des Hochsommers auf – im Winter ebenso wie in den Übergangsmonaten. Typisch ist, dass er aus völliger Ruhe heraus binnen Minuten einsetzt.

Welcher Wind für welchen Sport

  • Windsurfen: Der Pelér gilt als der Wind für Wellen und Sprünge – er baut in der Früh am Nordufer eine Welle auf, die es sonst am See so nicht gibt. Wer später kommt, nimmt die Ora.
  • Segeln: Die Ora ist der verlässlichere Partner, weil sie thermisch entsteht und dadurch konstant bläst. Der Balì kann über mehrere Tage stabil stehen, ist aber nichts für Anfänger.
  • Anfänger: Der Vento Campione am Westufer bleibt vergleichsweise schwach – das ist die freundlichste Ecke zum Üben.

Was das für alle anderen bedeutet

Auch wer nie ein Segel anfasst, sollte den Rhythmus kennen:

  • Der Vormittag ist die ruhigere Zeit zum Baden am Süd- und Mittelteil des Sees. Ab Mittag frischt es auf.
  • Sonnenschirme halten der Ora am Nordufer selten stand. Wer am Nachmittag in Torbole oder Riva am Wasser liegt, merkt das schnell.
  • Für die Wahl des Reisemonats: Der Pelér ist von Juni bis September am zuverlässigsten – Näheres in unserer Übersicht zur besten Reisezeit.
  • Für Wanderungen und Radtouren ist der Vormittag angenehmer – nicht nur wegen der Hitze, sondern weil die Ora auf den Uferstraßen Richtung Norden kräftig gegenanbläst.
  • Bei Gewitterlage gilt am See wie überall: raus aus dem Wasser. Der Ponale zieht vor allem abends und bei Gewitterlagen auf.

Quellen und Bildnachweis

Zusammengetragen am 27. August 2026 aus: Wikipedia, „Ora (Wind)“ · Wikipedia, „Gardasee“ · gardasee.de, „Wind am Gardasee“ · gardasee.surf, „Winde am Gardasee“ · der-gardasee.de, „Winde am Gardasee“.

Wir prüfen alle Angaben sorgfältig. Wind ist trotzdem Natur und keine Fahrplanauskunft – wenn Ihnen an einer Stelle etwas anderes auffällt, schreiben Sie uns kurz, wir tragen die Korrektur nach.

Beitragsbild: Windsurfer vor Torbole. Urheber: Benreis, über Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 3.0.

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